Hauptprojekt
100% natürliche Landwirtschaft: Olivenbäume am Fusse der Gletscher
Seit 2012 wertet das Projekt „100% Valposchiavo“ das einzigartige Erbe des Tals auf und setzt dabei auf nachhaltige Entwicklung. Dank des Engagements der Landwirte aus der Region werden 95% der landwirtschaftlichen Fläche von zertifizierten Bio-Betrieben bewirtschaftet und gepflegt, wobei die Produkte am Ende der Kette von Bio Suisse zertifiziert sind. Ein 100%-iger Ansatz, der weltweit einzigartig ist!
Dieser Ansatz steht natürlich in direktem Zusammenhang mit der geografischen Lage und den besonderen klimatischen Bedingungen des Tals. Da die Valposchiavo über mehrere hundert Jahre hinweg schwer zugänglich war, mussten die Bewohner erfinderisch sein und sich ihre eigenen Möglichkeiten schaffen, um so wenig wie möglich von der Außenwelt abhängig zu sein. Auch wenn die Passstraße ab den 1960er Jahren ganzjährig befahrbar wurde, hat diese Abgeschiedenheit ihre Spuren in den Sitten und Bräuchen der Valposchiavo hinterlassen.
Eine Geschichte mit positiven Seiten, wie die zahlreichen Bioprodukte aus dem Tal sowie deren traditionellen Gerichte beweisen.
100% VALPOSCHIAVO. Gute Produkte… und Bio!
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Tessin, Suisse
100% Valposchiavo, was ist das?
Warum 100% Natur?
Die Region hat sich entschieden, ihr einzigartiges Erbe durch nachhaltige Entwicklung aufzuwerten. Die 2012 eingeleitete Initiative führte dazu, dass fast das gesamte Tal auf biologische Landwirtschaft umgestellt wurde – heute sind es etwa 95% der Fläche.
Die Agrarwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft: 15 % der Bevölkerung leben von der Agrarwirtschaft, während 8 % der Einwohner*innen im Tourismus beschäftigt sind. Die Region hat das Label 100% Valposchiavo kreiert, um die lokalen Produktions- und Verarbeitungsketten aufzuwerten und zu fördern. Bisher haben mehr als 150 Produkte dieses Label erhalten, ebenso wie 60 Betriebe aus dem landwirtschaftlichen Sektor und der Lebensmittelverarbeitung sowie 13 Restaurants. Ein strenges Reglement bemüht sich, die gesamte Kette eines Produkts, von Teigwaren über Milchprodukten bis hin zu Obst und Wurstwaren, für den Erhalt dieses kleinen grünen Logos zu definieren. Wenn nicht alle Zutaten aus dem Tal stammen, die Herstellung aber vor Ort erfolgt, kann ein anderes blaues Label („Fait sü in“, d. h. im Tal hergestellt) verwendet werden.
So entsteht eine breite Palette an Angeboten, von denen jedes einzelne dazu beiträgt, den Wert des gesamten Projekts zu steigern. Jeder dieser Akteure hat das Ziel, kurze Kreisläufe zu erhalten und zu fördern, bei denen jeder Schritt (Produktion, Verarbeitung, Herstellung und Verkauf) lokal ist.
Aktuelle Studien belegen, dass die Nachfrage nach lokalen Produkten steigt. Das Projekt 100% Valposchiavo will diese Nachfrage befriedigen und gleichzeitig das Angebot an Lebensmitteln aufwerten. Dabei konnte die Region von Anfang an auf mehrere Trümpfe zählen: einen dynamischen und visionären Landwirtschaftssektor mit einem hohen Anteil an Bio Suisse-Labels, ein reiches kulinarisches Erbe und eine enge Zusammenarbeit mit dem Hotel- und Gastgewerbe.
Eine seltene Vielfalt
Das Projekt 100% Valposchiavo wurde mehrfach ausgezeichnet: Der Preis CIPRA 2016 für nachhaltigen Tourismus, MILESTONE 2016 HTR des Schweizer Tourismus in der Kategorie „Nachhaltigkeit“, SVSM Award für „Lokale Projekte“ 2017, H2020 Liaison European Agricultural Innovation Award 2019 und Innovationspreis des Bündner Gewerbeverbands 2021. Die Resonanz ist sowohl bei den regionalen Akteuren als auch bei den Verbrauchern und den Medien spürbar. Die Produkte sind sehr vielfältig: Obst und Beeren, Eier, Gewürz- und Heilpflanzen, Milchprodukte aus mehreren Käsereien, Getreide, eine handwerkliche Bäckerei, Wurstwaren, Teigwaren und sogar ein Olivenhain zur Ölgewinnung.
Alle Bereiche der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung und der Gastronomie arbeiten eng zusammen, um eine nachhaltige, vollständig lokale Wertschöpfungskette mit hoher Wertschöpfung zu produzieren, die zur wirtschaftlichen Entwicklung des Tals beiträgt und allen Akteuren über den Tourismussektor hinaus zugutekommt. Diese Kreislaufwirtschaft schafft Arbeitsplätze, erhält bedrohte Traditionen, verringert die Umweltauswirkungen des Transports und fördert die Artenvielfalt. Saubere Energiequellen (Wasserkraft, Solarenergie, Biogas) werden bevorzugt und sind zu 100 % Valposchiavo zertifiziert.
Eine Geschichte voller Kreativität
Dieses abgeschiedene Tal lebte lange Zeit isoliert und war aufgrund seiner geografischen Lage nach innen gerichtet: Es grenzte an Italien und das Veltlin im Süden, war aber im Winter nur mit dem Zug erreichbar. Erst in den 1960er Jahren wurde die Passstraße ganzjährig befahrbar gemacht. Diese Abgeschiedenheit zwang die Bewohner*innen, kreativ zu werden, ganz im Sinne von: „Wenn du eine Zeitung willst, mach sie selbst, wenn du ein Theater oder ein Orchester willst, mach es selbst.“
Das Tal beherbergt heute 4.500 Einwohner*innen – und nähert sich damit wieder seinem goldenen Zeitalter – und bietet rund 800 Gästebetten, wobei nicht im Zentrum steht, den Massentourismus zu fördern. Mit rund 60.000 Übernachtungen pro Jahr ist die Aktivität absolut nachhaltig und belastet die Umweltentscheidungen der Region nicht.
In Zahlen ausgedruckt
Die Valposchiavo ist:
- 237 Km2
- 500 Einwohner*innen
- Viele Bauern und Bäuerinnen
- 4 Bäckereien
- 4 Metzgereien
- 6 Weinkellereien
- 2 Hersteller von aromatischen Kräutern
- 2 Brauereien
- 1 Käserei
- 1 Teigwarenfabrik
- Viele Geschäfte, die Produkte 100% Valposchiavo verkaufen
Junge Unternehmer, die die Zukunft des Tals sind
Das Projekt 100% Valposchiavo hat eine unglaubliche Dynamik ausgelöst, mit der Hoffnung, der jungen Generation eine Zukunft zu bieten. Hier sind einige Beispiele von Jungunternehmer*innen mit kreativen Ideen, die Sie bei einem Aufenthalt im Tal kennenlernen sollten.
Tiziano und Ivan
Zwei Freunde, die sich für den Anbau von Olivenbäumen begeistern. Tiziano Iseppi und Ivan Rinaldi starteten 2017 ein etwas aussergewöhnliches Projekt. Ausgebildet bei italienischen Olivenölproduzenten, übernahmen sie brachliegendes Land und pflanzten rund 70 Olivenbäume toskanischer Sorten neu an; am Ende sollten es mindestens 200 Bäume auf 2000 Quadratmetern sein, die eine kleine Produktion von Bio-Öl ermöglichen sollten.
Ivan und Stefania
Ivan Lanfranchi bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau Stefania ein Landgut in Viano. Neben dem traditionellen Ackerbau züchtet das Ehepaar Braunviehkühe, die typisch für diese Bergregionen sind. Die Milch wird zu einer Reihe von Rohmilchkäsen auf der Alp und zu Käsereibutter verarbeitet.
Annina
Im Sommer pendelt die junge Gemüsebäuerin Annina Raselli zwischen der Alp Somdoss und ihrem Hof in Poschiavo. Auf der Alp kümmert sie sich um rund 60 Kühe. Im Tal widmet sie sich dem Gemüseanbau. Sie liebt die Vielfalt, was sich in ihren 14 Tomatensorten zeigt. Zwei Dutzend andere Gemüsesorten ergänzen ihre Produktion, die natürlich vollständig biologisch ist. Auf 1000 m ü. M. ist die Saison kurz. Dank eines Gewächshauses ist es nun ihr Ziel, das ganze Jahr über Gemüse zu produzieren.
Und all die Anderen…
Es gibt auch den immer noch jungen Elmo Zanetti, der nach seinem Studium der Agrarwissenschaften mit dem Anbau von Kräutern und der Zucht von Berberpferden begonnen hat. Zudem hat ein junger Bäcker den Familienbetrieb übernommen und ihnmit regionalen Spezialitäten erweitert (Brote mit Aprikosen, Feigen, Äpfeln oder Birnen, Roggenkränze mit Anis, Bündner Nusstorte usw.). Poschiavo beherbergt auch zwei handwerkliche Brauereien und kleine Gin- und Grappa-Produzenten. Dank ihnen ist die Zukunft des Tals gesichert!